Mein neuer Psychokrimi. Als Taschenbuch und ebook erhältlich.

Ihr Exfreund würde sie irgendwann umbringen. In blinder Panik trifft Stella eine schwerwiegende Entscheidung. Sie überwältigt ihn und verschleppt ihn an einen einsamen Ort an der Ostsee. Jetzt ist er ihr Gefangener, und sie fragt sich verzweifelt, wie das weitergehen soll. Während sie zwischen Wut und Gewissensbissen schwankt, verliebt sie sich und freundet sich mit anderen Außenseitern an. Aber kann sie ihren neuen Freunden vertrauen?

 

»Ich habe Angst, dass er stirbt.
Ich habe Angst, dass er am Leben bleibt.
Ich weiß nicht, was ich tun soll.«

Das Geräusch war dumpf und gleichmäßig, durchdrang zaghaft die morgendliche Stille im Wald. Ein Schlagen wie Metall auf Metall. Dringlichkeit schwang darin mit, als wären es wichtige, aber unverständliche Morsezeichen. Stella erschrak, drehte sich panisch um ihre eigene Achse, aber anscheinend hörte die Schläge niemand außer ihr. So tief im Unterholz war sie allein, wie immer. Trotzdem war es gefährlich, einem Förster könnte es auffallen oder spielenden Kindern. Das musste aufhören.

Er musste damit aufhören.

Die junge Frau beschleunigte ihre Schritte und bewegte sich zielsicher durch das Dickicht. Zweige schlugen ihr ins Gesicht und der Riemen des Rucksacks schnitt ihr in die Schulter. Sie rückte ihn zurecht und hastete weiter, dabei verfing sich ihre weite graue Hose im Gestrüpp. Fluchend befreite sie sich und näherte sich den rhythmischen Schlägen. Für einen Moment glaubte sie, es wäre ihr Herzschlag. Tatsächlich raste ihr Puls vor Angst. Was war da unten los?

Vor den niedrig hängenden Ästen eines Haselstrauchs blieb sie stehen und atmete tief durch. Das Geräusch war jetzt ganz nah und kam aus der Erde, dumpf, gleichmäßig, fordernd. Sie hob die Äste an. Nichts deutete darauf hin, dass hier der Eingang zu einem Tiefbunker war.

Sie schob Blätter und Zweige beiseite, bis eine dicke Metallluke sichtbar wurde, die sie mühelos anhob. Steinstufen führten in die Tiefe. Um die Luke wieder zu schließen, benötigte sie beide Hände. Sie schaltete die Taschenlampe ein und legte sie auf die Stufen. Nachdem sie den Eingang wieder geschlossen hatte, ging sie hinunter. Es roch nach Schimmel, Krieg und alten Schatten. Der Kegel der Taschenlampe beleuchtete den schmalen Gang. Sie hielt sich rechts, auf der linken Seite waren die Stufen teilweise lose. Das Geräusch hallte aggressiv von den Wänden wider und vibrierte in ihren Ohren, dazwischen die heiseren Hilferufe dieses Mistkerls. Warum war er so munter? Hatten die Beruhigungsmittel versagt?

Vorsichtig näherte sie sich einer der Metalltüren, neben der ein Gitter eingelassen war. Direkt dahinter stand er und schlug mit einer Eisenstange auf die Stäbe.

Wo verdammt nochmal hatte er diese Stange her? Stella musste sie in ihrer Panik übersehen haben, als sie den Raum und das angrenzende, versiffte Bad durchsucht hatte.

Sie leuchtete in sein verdrecktes Gesicht und die Schläge hörten auf. Endlich. Wie ein Echo dröhnte der Nachhall in ihren Ohren.

Jetzt begriff der Scheißkerl, dass hier niemand stand, der ihn befreien würde, das erkannte sie an seinen aufgerissenen Augen, in denen seine Hoffnung in Wut umschlug. Ein weiteres Mal ließ er die Stange gegen das Gitter krachen, mit einer Wucht, die sie ihm nicht zugetraut hätte. Dabei stieß er ein Brüllen aus, das ihr einen Schauer über den Rücken jagte. 

Mit zitternden Händen holte sie eine Wasserflasche aus dem Rucksack und gab zwei Tabletten hinein. Sie schüttelte sie, bis sie sich aufgelöst hatten.

Gierig streckte er die Hand durch das Gitter. Aber Stella würde sich nicht in dessen Nähe begeben, wenn er direkt dahinter stand. Schon gar nicht, so lange er diese verfluchte Stange hatte